Jakob Mayr

25. März 2025

25. März 2025

Wie wirkt sich Buchstabensymmetrie auf das Lesen aus?

Das dynamische Formprinzip sorgt für bessere Leserlichkeit durch offene, differenzierte Buchstabenformen. Mit der Schrift Anita Sans lassen sich viele Eigenschaften der Buchstaben flexibel anpassen – für ein optimales Leseerlebnis.

Buchstabe wenn der Buchstabe d gedreht wird, entstehen buchstaben wie p q b.
Buchstabe wenn der Buchstabe d gedreht wird, entstehen buchstaben wie p q b.
Buchstabe wenn der Buchstabe d gedreht wird, entstehen buchstaben wie p q b.

Vor allem in Bezug auf Legasthenie wurde lange angenommen, dass der Schwierigkeit beim Lesen vor allem eine Verwechslung von Links und Rechts, also Wahrnehmung von gespiegelten Buchstaben zugrunde liegt. 

Um dem entgegenzuwirken, spricht sich etwa der Schriftgestalter Gerrit Noordzij¹ für Schriften aus, die einen starken Translationskontrast aufweisen (also Kontraste, die sich aus der Schreibbewegung einer Breitfeder ergeben) entsteht. 

Diese Meinung scheint uns heute weniger relevant, seitdem die Forschung² diese zumindest in Frage gestellt hat. Trotzdem basieren die meisten der heute vertriebenen »Legasthenie-Schriften« immer noch fast ausschließlich auf dieser Annahme. Anders als Noordzij versuchen sie aber das Problem durch brachiale Veränderung der Buchstabenformen zu lösen – meist ohne das Wissen über bisherige Errungenschaften der Schriftgestaltung, die das selbe Erreichen würden. 

Dennoch ergeben sich durch das dynamische Formprinzip auch ohne viel Linienkontrast Momente der symmetrischen Unterscheidbarkeit: Die Buchstaben q und b, folgen bei Anita der organischen Schreibbewegung. In statischen Serifenlosen sind diese oft spiegelsymmetrisch. Anita Sans bietet den Lesenden wieder die Möglichkeit, je nach Präferenz, auswählen, welche Form für sie geeigneter scheint. 

Quellen und Zitate

¹ Gerrit Noordzij: »Das Kind und die Schrift« (Vortrag vor der Typographischen Gesellschaft München am 29. März 1983)
² F. Willian Fischer, Isabelle Y. Liberman, Donald Shankweiler: »Reading reversals and developmental dyslexia: A further study.« (1978).

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